Als Unterseen Emotionen ins Spiel brachte, standen die Huttwil Falcons im Schilf. Mit einer kämpferischen Willensleistung und Glück wendeten die Oberländer in den letzten Minuten ein Spiel, das nach zweimaligem Zweitore-Rückstand bereits verloren schien. Nach 62.16 schoss Simon Ingold den Treffer zum knappen aber verdienten Sieg des SCUI in der Verlängerung.
Die Huttwil Falcons waren über das ganze Spiel gesehen das bessere Team. Mit einer abgeklärten, schnellen und direkten Spielweise liessen sie ihren Gegnern lange Zeit keine reelle Siegeschance. Allerdings kamen die Gastgeber von Drittel zu Drittel besser ins Spiel. Drei Gründe brachten im letzten Drittel und in der Verlängerung den Umschwung zu Gunsten der Gastgeber: 1. Unterseens unbedingter Siegeswille. Getragen von ihrem leidenschaftlichen Publikum brachten die Oberländer die nötigen Emotionen ins Spiel, welche die Huttwiler ins Wanken und den SCUI auf die Siegesstrasse brachten. 2.) Der Ausfall von Huttwils Star-Verteidiger Pascal Stoller. Die ohnehin bereits stark ersatzgeschwächte Defensive der Falken verlor danach viel an Stabilität, und offensiv fehlte es an Ideen und Power von der blauen Linie. 3.) Die Falken liessen sich durch die wesentlich intensivere Gangart der Gastgeber im letzten Drittel vollends aus dem Konzept bringen, und brachten sich mit Strafen selbst in Bedrängnis. Sowohl den Treffer zum 2:3 Anschlusstreffer durch Samuel Suter (55.) wie auch den Ausgleichstreffer durch Reto Aebersold (57.) kassierten die Gäste in Unterzahl. Der zweifache Torschütze Remo Altorfer sagte nach dem Spiel: «Trotz der intensiveren Gangart des Gegners im letzten Drittel haben wir uns vorwiegend selbst geschlagen. Wir haben im Verlaufe des Spiels immer mehr abgebaut und liessen uns im letzten Drittel aus dem Konzept bringen».
Für beide Teams war es ein enorm wichtiges Spiel. Die Oberländer hatten als Tabellenführer im Spiel zuvor gegen Zunzgen Sissach ihre erste «Nullnummer» kassiert und wollten sich deshalb unbedingt rehabilitieren. Wer wäre da besser geeignet als die ambitionierten, aufstiegswilligen Falken aus Huttwil. Die Emmentaler ihrerseits wendeten gegen den Amateur-Schweizermeister der letzten beiden Saisons nach zwei Niederlagen auf souveräne Weise eine sich ankündigende Krise ab. Bei einem Sieg in der normalen Spielzeit wären die Falken auf Rang zwei vorgestossen. Schlimmer als die Overtime-Niederlage schmerzt in Huttwil die Verletzungshexe. Nach dem verletzungsbedingten Karrierenende von Gregor Thommen wiegt der Ausfall von Pascal Stoller doppelt schwer. Bei Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, wie gravierend die Schulterverletzung des wichtigsten Verteidigers der Falken ist.
SC Unterseen Interlaken – EHC Napf 4:3 n.V. (0:1, 0:1, 3:1, 1:0)
Matten, 703 Zuschauer. SR: Derada, Schüpbach/Zimmermann. Tore: 13. Sägesser (Stoller, Ausschluss Trittibach) 0:1. 22. R. Altorfer (D. Altorfer, Studer) 0:2. 42. Forny 1:2. 46. R. Altorfer (Born) 1:3. 55. Suter (Auschluss Gerber) 2:3. 57. Aebersold (Auschluss Guazzini) 3:3. 63. Ingold (Balmer) 4:3. Strafen. 9-mal 2 Minuten gegen Unterseen, 6-mal 2 Minuten gegen Napf
SCUI: Beekmann; Lüthi, Wolf; von Almen, Aebersold; Balmer; Grossniklaus, L. Suter, Ingold; Vogel, Forny, Trittibach; Eicher, Kohler, Bühlmann; S. Suter, Bohren, Götz.
Napf: Schilt; Kindler, Stoller; Born; Wegmüller; Schütz; Guazzini, Sägesser, Schär; R. Altorfer, D. Altorfer, Studer; Meyer, Zürcher, Gerber; Tschumi, Lanz